„Britain’s got Talent“ heißt das englische Format, auf dem die RTL-Erfolgsshow „Das Supertalent“ beruht. In Deutschland muss dem Talent allerdings offenbar hier und da per Einladung oder gar Gage nachgeholfen werden. So jedenfalls will es die Bild-Zeitung herausgefunden haben.

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Dass bei den einschlägigen Casting-Shows manchmal nach Drehbuch verfahren wird, ist ein Gerücht, dass sich hartnäckig hält. Zuletzt etwa machte Ex-Popstars-Juror Sido mit der Behauptung auf sich aufmerksam, die Jury bekäme Anweisungen, wen sie weiterlassen solle, und wen eben nicht. Von Entscheidungsfreiheit sei da wenig zu merken.

Auch ehemalige Kandidaten lassen sich immer wieder gerne über Einflussnahme hinter den Kulissen oder sonstige Formen der Steuerung aus. Bewiesen ist davon allerdings nichts, zumal vertragliches Stillschweigen zum Standard gehören soll. Doch dass schon die bloße Bewerbung eines Kandidaten vom Sender oder der Produktionsfirma dirigiert wird, davon hat man bisher noch nichts gehört.

Bild.de behauptet heute (29.11.2010) nun eben genau dies. Gezielt würden Personen angesprochen, um sich beim Quotenrenner „Das Supertalent“ zu bewerben, und das sogar auf Grundlage einer Gagenzahlung. Als sich Bohlen & Co. etwa darüber wunderten, warum denn „Eis am Stiel“-Darsteller Zachi Noy auf einmal seine nicht vorhandenen Gesangskünste vorstellen wollte, hätte ihnen das die verantwortliche Redaktion vermutlich beantworten können. Denn Noy, so seine Aussage gegenüber Bild am Sonntag, sei von RTL eingeladen worden.

Zu den andere Kandidaten, die unter ähnlichen Voraussetzungen auf die Bühne kamen, gehörten etwa Kathy Kelly, Cellistin Liz Schneider oder die Amerikanerin „Busty Heart“, die mit ihren Brüsten Gegenstände zertrümmert und bereits in der US-Ausgabe der Show zu sehen war. Der Sender bestätigt gelegentliche Einladung nun zwar, bestreitet aber, Gagen zu zahlen. Höchstens Aufwandsentschädigungen würden eingeräumt. Aber selbst das dürfte normale Bewerber ziemlich wütend machen, besonders wenn sie von weit her angereist kommen.

Artist Richard Sean Wilson widerspricht den Aussagen des Senders. Ihn habe man sogar mehrmals angefragt, doch erst als man bereit war, eine Gage zu zahlen, hätte er auch eingewilligt. Einen Auftritt in der Live-Show habe er trotz Zuspruch der Jury allerdings abgesagt, da RTL nicht zu einer Erhöhung der vereinbarten Summe bereit gewesen sei.

Übrigens hat man bei bild.de offenbar schnell kalte Füße bekommen. Während der Bericht vormittags groß auf der Startseite zu sehen war, ist er jetzt nur noch durch gezieltes Suchen in der Unterkategorie „Unterhaltung“ zu finden, und auch das eher versteckt. Möglicherweise will man es sich nicht mit den Kollegen aus Köln verscherzen.

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