Was wäre, wenn in Deutschland die Mauer wieder aufgebaut würde? Undenkbar? Richtig. In einem neuen Zweiteiler von SAT1 geschieht nichts desto trotz genau dies. Was auf dem Papier ganz schön absurd klingt, könnte aber trotzdem für kurzweilige Unterhaltung sorgen. Ausgestrahlt wird die Produktion am 15. und 16. März.
TeamWorx und kein Ende. Wo in der deutschen Fernsehlandschaft große Budgets für fiktionale Stoffe zu vergeben sind, ist die Produktionsgesellschaft von Nico Hofmann garantiert dabei. Für RTL kümmerte man sich in „Vulkan“ zuletzt um die Zerstörung eines Eifeldorfes, für das ZDF kurz darauf um „Das Geheimnis der Wale“. Hier sieben, da neun Millionen Euro: Es gilt also klotzen statt kleckern. Nicht anders im Fall der SAT1-Produktion „Die Grenze“.
Die bewegende Geschichte des Holocaust-Überlebenden im warschauer Ghetto, Wladyslaw Szpilman, der vor Beginn des dritten Reichs ein erfolgreicher Pianist war, brachte Adrien Brody 2003 den Oscar als bester Hauptdarsteller ein. Am 24. Januar wird der auf einer wahren Begebenheit beruhende Film von Roman Polanski auf 3sat gezeigt. Für alle, die ihn noch nicht kennen: Absolut sehenswert!
Der Pianist, das ist der Ende der 30er Jahre in Polen bekannte, jüdische Musiker Wladyslaw Szpilman. Sieht man ihn anfangs noch gelassen mit seiner Familie über die Bedrohung durch die Nazis scherzen, folgt ziemlich schnell die grausige Realität: Szpilmans Familie wird in das Warschauer Ghetto umgesiedelt, wo sie um das nackte Überleben kämpft. Schonungslos zeugen die düsteren Bilder des Films von der unbeschreiblichen Brutalität und Kaltblütigkeit, mit denen die jüdische Bevölkerug hier schikaniert, ausgehungert und systematisch ums Leben gebracht wird.
So auch die Familie von Wladyslaw Szpilman. Als einziger kann er der Deportation in ein Vernichtungslager entfliehen und schlägt sich fortan alleine durch. Völlig ausgezehrt, krank und am Ende schleppt er sich von Versteck zu Versteck und wird Zeuge des Aufstands gegen die Deutschen im jüdischen Ghetto.
Zufällig trifft er auf Wilm Hosenfeld (gespielt von Thomas Kretschmann), einen deutschen Wehrmachtsoffizier, zu dem ihn, trotz anfänglicher Todesangst, etwas verbindet: Die Liebe zur Schönheit der Musik. weiterlesen »
In Bad Münstereifel war einiges los, als ein Riesenteam um Heiner Lauterbach, Armin Rohde, Yvonne Catterfeld, Katharina Wackernagel, Ursula Carven und andere TV-Gesichter den beschaulichen Eifel-Ort auf den Kopf stellte. Immerhin musste ein Vulkanausbruch glaubhaft in Szene gesetzt werden, und RTL ließ sich die Sache einiges kosten. Herausgekommen ist ein Zweiteiler, der alle bisherigen Budgets des Senders in diesem Segment locker sprengt.

Ganze 9 Millionen Euro ließ man sich den Spaß kosten, mal einen prallen Katastrophenfilm auf deutschem Boden zu produzieren. Eine Million verschlang alleine die lebensechte Generierung des titelgebenden Vulkanausbruchs am Computer. Bloße vier Sekunden dauert die Eruption im fertigen Film und kostete nach Senderangaben nichts desto trotz mehrere 10.000 Euro. Zudem mussten 1700 Statisten koordiniert (und bezahlt) werden – von den gut dotierten Hauptdarstellern ganz zu schweigen.
Bei Vox’ am 17. August startender Doku-Serie „Mehr geht nicht!“ begleitet die Zuschauerin insgesamt sechs Großfamilien durch den Alltag. Das Besondere dabei: alle porträtierten Familien haben durch Mehrlingsgeburten schlagartig an personeller Stärke gewonnen.
Zwei Wochen lang ist man jeweils Montags bis Freitags um 18 Uhr bei einer Familie mit Fünflingen, zwei Familien mit Vierlingen und drei mit Drillingen dabei und kann dabei zusehen, wie die Eltern die Herausforderung meistern und mit welchen Schwierigkeiten sie zu kämpfen haben.
Welche Probleme und logistischen Komplikationen auftreten können, wenn man anstelle nur eines Kindes gleich drei, vier oder sogar fünf zu betreuen hat, konnte man bereits im Fernsehen sehen – so ganz neu ist Vox’ Konzept nicht. Zugegeben sind v.a. Fünflingsgeburten allerdings nicht gerade alltäglich, ja nicht einmal alljährlich: 2007 gab es in Deutschland weiterlesen »
Vor zehn Jahren wurden das Familienepos von Charlotte Link vom ZDF aufwändig verfilmt. Der Fernseh-Fünfteiler ist auch auf drei DVDs zu haben.
Eine der spannendsten deutschen Krimiautoren neben Andreas Franz ist Charlotte Link. In ihren drei Büchern “Sturmzeit”, “Wilde Lupinen” und “Die Stunde der Erben” werden zwar keine Mordfälle gelöst, aber spannend ist die Geschichte allemal. In geradezu an die Bronte-Schwestern erinnernder Manier erzählt die Autorin die Lebensgeschichte von Felicia, die sich vor Ausbruch des ersten Weltkrieges in Maksim verliebt. Die Nähe zur englischen Literatur wird auch durch die Wahl des Titels deutlich, der an Emily Brontes “Sturmhöhe” erinnert: Die Sturmzeit-Trilogie breitet die Geschichte der weitverzweigten und durch Kriege versprengte Familie Domberg durch die Jahrzehnte aus.
2007 war das französische Kriegsdrama „Tage des Ruhms“ zusammen mit „Das Leben der anderen“ als bester ausländischer Film für den Oscar® nominiert. Seine fünf Hauptdarsteller, Sami Bouajila, Roschdy Zem, Jamel Debbouze, Samy Naceri und Bernard Blancan wurden in Cannes mit dem Schauspielerpreis ausgezeichnet. Nun gibt’s die 13 Millionen-Dollar-Produktion auf DVD.
Regisseur Rachid Bouchareb erzählt eine der in Vergessenheit geratenen Geschichten des zweiten Weltkriegs. 233000 Soldaten aus der nordafrikanischen Kolonie kämpfen, getrieben von Armut, für „ihre“ Kolonialmacht Frankreich gegen die deutsche Wehrmacht. Sie setzen ihr Leben für ein Land aufs Spiel, das sie noch nie gesehen haben. Dabei wird ihr Einsatz keineswegs mit Gleichheit und Anerkennung gedankt, sondern ist geprägt von Diskriminierung, Rassismus und Ausbeutung. In aussichtsloser Lage werden sie in erster Linie als Kanonenfutter missbraucht. Am Ende kommt nur einer der fünf Hauptfiguren mit dem Leben davon.
Bouchareb erzählt die Schrecken des Krieges anhand der Schicksale seiner Hauptdarsteller und das persönliche Empfinden rückt in den Vordergrund. So erhält der Film eine intime und persönliche Note.
Der Film erzählt nicht nur eine fiktive Geschichte, sondern dokumentiert darüber hinaus die Absichten der französischen Regierung, nach dem Ende der Kolonialzeit die Pensionsansprüche der Soldaten aufzuheben.
„Der kraftvollste Kriegsfilm des Jahres“ sagt The Times. „Der beste Kriegsfilm seit Der Soldat James Ryan“ urteilt BBC Radio 3 und in Frankreich erreichte „Tage des Ruhms“ Platz eins der Kinocharts.
Am Sonntag, den 24. August zeigt Das Vierte um 20:15 Uhr Schnee der auf Zedern fällt. Wer diesen Film nicht kennt, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen.
Schnee der auf Zedern fällt, bzw. Snow Falling on Cedars, ist die filmische Umsetzung von David Gutersons Roman mit dem gleichen Titel. 1954 kehrt in einer Kleinstadt an der nördlichen Westküste der USA ein Fischer mit dem klingenden Namen Carl Heine nicht von der Arbeit zurück. Was eigentlich unter Berufsrisiko abzuhaken ist, entwickelt sich bald zu einer Ermittlung in Sachen Mord. Hauptverdächtiger ist sein Kollege Kabuo Miyamoto. Das liegt weniger daran, dass der am Abend zuvor mit dem Toten gesehen wurde, denn daran, dass er japanischer Abstammung ist. Denn eines wissen die Amerikaner in den 50gern ganz genau: Japaner sind hinterhältige Meuchelmörder. Allesamt - auch wenn sie von der US Army ne Ehrenmedaille an die Brust gesteckt bekommen haben. weiterlesen »
“Maybe I’m happy and I just don’t know it.”
Es gab mal eine Zeit, so um die Jahrtausendwende (ein tolles Wort), da war die amerikanische Anwaltsserie “Ally McBeal” sehr angesagt. Danach kam “Sex and the City”, später “Desparate Housewives”, und verglichen mit ihren Nachfolgern wirkt Ally fast ein wenig unschuldig.
Ally McBeal kündigt ihren Job in einer Anwaltskanzlei, als ihr Chef sie sexuell belästigt, findet aber kurz darauf eine neuer Stelle in einer Kanzlei, die ihr ehemaliger Schulkamerad Richard Fish sich mit dem merkwürdigen John Cage teilt - in Boston. Kein Problem, Ally zieht um - und die Serie nimmt ihren Lauf.
“Ally McBeal” ist tragikomisch - im Gegensatz etwa zu “Sex and the City”, wo, allen Problemen zum Trotz, meist die Komik überwiegt. Aber Ally, die neurotische Anwältin, die sich mit männerverschlingenden Sekretärinnen, verheirateten Ex-Freunden als Kollegen und flüchtenden Verlobten herumschlagen muss (von ihrem Job ganz zu schweigen), ist immer einsam. Oder, fast immer.
Zentrum der Serie ist die Unisex-Toilette der Anwaltskanzlei, in der man sich furiose Wortgefechte liefert und imaginäre Schlachten: “Ally McBeal” enthält gelegentlich witzig-phantastische Einlagen, in denen Allys Gedanken visualisiert werden. Beispielsweise beißt sie ihrem Gegenüber mal eben den Kopf ab.
Allabendlich versammeln sich die Verdammten der Kanzlei in einer Cocktailbar, wo Vonda Shepperd singt. Für letztere, und natürlich für Calista Flockheart, war die Serie ein Karrieresprungbrett. Mit der fünften Staffel, deren Handlung drastisch verändert werden musste, als Robert Downey Jr. wegen Drogenbesitzes ins Gefängnis musste, verliert “Alley McBeal” allerdings deutlich an Tempo und Witz. Jon Bon Jovis Nebenrolle hätte man sich ebenfalls sparen können.
“Ally McBeal” ist ein funkelnder Cocktail; mal witzig, mal tottraurig, aber - meistens - sehr unterhaltsam. Im deutschen Fernsehen brauchte sie zwei Anläufe, ehe sie im Abendprogramm von Vox einen treuen Zuschauerstamm fand, der ihren schrägen Geschichten folgte.
Oder: Wie man eine DVD nicht gestaltet.
Es war einmal ein sehr guter, epischer Familienroman von Jim Thompson mit dem Titel “Legends of the Fall”, zu deutsch: “Herbstlegenden”. Edward Zwick, der uns später mit “Blood Diamond” (2006) beglücken sollte, machte 1994 daraus einen hervorragend besetzten Film mit Brad Pitt, Anthony Hopkins, Aidan Quinn und Julia Ormond.
Dem deutschen Verleiher gefiel der Titel offenbar nicht. Inzwischen nimmt man zwar Filme mit Titeln wie “Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford” (2007) mit Handkuss, solange nur Brad Pitt mitspielt - aber damals war das noch nicht der Fall. Damals war Brad Pitt ein Schönling, und in erster Linie wurde er deshalb gecastet. Es hat ihn viel Mühe gekostet - “California”, “Seven”, “Fight Club” -, dieses Image zu korrigieren.
Zurück zur Geschichte: “Herbstlegenden”, das guckt sich in Deutschland 1994 doch kein Mensch an. 1994, da kämpfte Rudolf Scharping seinen verzweifelten Kampf gegen den Kanzler der Einheit; 1994, da waren Nirvana groß - wer wollte da “Herbstlegenden”? Kurzerhand macht der deutsche Verleiher daraus “Legenden der Leidenschaft“.
Naja. Man konnte es, auch als Mann, verkraften; es war zwar peinlich, aber der Film (hat übrigens einen Oscar bekommen) war das spöttische Grinsen des pickligen Jungen an der Kinokasse wert.
Soweit, so peinlich, aber letzten Endes verkraftbar. Dann kam die DVD; und diesmal haben sie es wirklich übertrieben: Nicht nur, dass das Cover Pitts verträumt-stahlblaue Augen dermaßen retuschiert zeigt, dass man sich in einem Trickfilm wähnt - der Covertext verspricht auch noch vollmundig: “Der packende Welterfolg mit dem Liebling aller Frauen: Brad Pitt. Bewegend, mitreißend, hocherotisch!”
Ich hab das Cover überklebt, mit Pflaster. Ich bin sicher, sowohl Jim Thompson als auch Herr Pitt würden es gutheißen. ![]()