Ob die Ausstrahlung von Weihnachtsfilmen mitten im Sommer die Reaktion von Super RTL auf den Klimawandel ist? Man weiß es nicht. Jedenfalls zeigt der Sender am 26. Juni alle drei Folgen des erfolgreichen BBC-Animationsmärchens „Robbie, das Rentier“, und das auch noch im Abendprogramm ab 20.15 Uhr. Ob sich der verantwortliche Redakteur damit beim Nikolaus beliebt machen will, ist nicht bekannt.

Nicht umsonst sehen die lustigen Plastilinfiguren rund um die Hauptfigur dieses sehenswerten Dreiteilers aus wie „Wallace & Gromit“ oder „Shaun das Schaf“. Denn auch wenn „Robbie the Reindeer“ keine direkte Aardman-Produktion ist, waren doch eine Reihe von Künstlern des berühmten Knetgummi-Studios an diesem in England sehr beliebten Christmas Special beteiligt.

Ein ganzes Jahr hat das BBC Animation Unit in Bristol, dem einige der weltbesten Animatoren angehören, an jeder der drei Folgen gearbeitet. Dem Ergebnis sieht man die große Hingabe seiner Macher an: lebendig und liebenswert sind alle Figuren geraten, und so hatten von Anfang an nicht nur Kinder ihre Freude an den Abenteuern des cleveren Rentiers.

In Zeiten, wo Animationsfilme in erster Linie am Computer entstehen, ist Plastilin der letzte Vertreter echter Handarbeit. Inzwischen beherrschen die dreidimensionalen Blockbuster von John Lassiter und seinen Pixar-Studios den Markt. Ihre Bedeutung für die Industrie ist mittlerweile so groß, dass die aktuelle Produktion „Up“ gar die diesjährigen Filmfestspiele von Cannes eröffnete.

Auf der anderen Seite erobern sogenannte Machinimas zunehmend den Markt. Die dahinterstehende Technologie beruht auf den Engines bestehender Computergames und zieht langsam auch das Interesse großer Studios auf sich. Eine mehrteilige Serie zum aktuellen „Terminator“-Sequel zeigt eindrucksvoll, welche Möglichkeiten sich hier eröffnen.

Umso mehr begleitet die Knetfilme von Aardman und der BBC ein Gefühl der Nostalgie, das den digitalen Kreationen aus dem Rechner zwangsweise abgeht. Bereitwillig liehen namhafte Schauspieler den Figuren um „Robbie, das Rentier“ ihre Stimmen:  Keira Knightley, Jeff Goldblum, Ricky Gervais, Gilian Anderson und Ozzy Osbourne übernahmen Rollen in der originalen britischen Fassung. Für den amerikanischen Markt sprangen Ben Stiller, Hugh Grant und sogar Britney Spears ein. Einen Großteil der Musik komponierte „Dire Straits“-Mastermind Mark Knopfler.

Alle Erlöse gehen bis heute an die Wohltätigkeitsorganisation „Comic Relief“, die hierzulande vor allem durch den „Red Nose Day“ bekannt ist. Eine der drei Folgen („Das große Rentier-Rennen“) ist in deutscher Fassung auch auf DVD zu haben.

Dass sich Knetanimationen übrigens nicht nur für Kinderfilme eignen, beweist seit einigen Jahren mit großer Drastik die schwedische Künstlerin Nathalie Djurberg, die gerade auf der Biennale Venedig mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet wurde.

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