Ach MTV, es war so schön mit dir – für eine Weile. Wie haben wir uns in den 90ern auf deine immerfrischen Musikvideos gestürzt, deine VJs waren die Besten und wussten wovon sie sprachen und wenn du mal Serien ausgespuckt hast, dann waren es hervorragende Produkte a la „Beavis & Butthead“ oder „Daria“.

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MTV wird bald ins Privatfernsehen abgeschoben, diese Nachricht hat sich mittlerweile herum gesprochen. Dass damit nicht wirklich ein neuer Anfang gemacht werden kann, dass wissen die Meisten wohl gleichfalls, denn gerade in Zeiten des Internets sind die Privatsender eher eine Angelegenheit für Fußballfans und wohlhabende Familien, die Wert auf aktuelle Filme legen. Musikfernsehen ist auf diejenigen angewiesen, die sich kaum in Unkosten stürzen würden, um Videos zu sehen, die es so auch im Netz gibt, zumal die wenigen selbst produzierten Programme keinen Wunsch zum Einschalten wecken.
Ein wenig bitter, aber die Entstehung von MTV Germany im Jahre 1997 schien die Ära der schlechten Unterhaltung ein zu läuten, obwohl Shows wie „Spin“, „Unter Ulmen“ oder auch „Kuttner“ sehr wohl zum Image des bis dato smarten Musiksenders zu passen schienen, wurden die cleveren musikalischen Formate nach und nach mit US-Importen in Form von Datingshows aller Variationen ersetzt.
Anstelle von Musik gab es kreischende, betrunkene Teenager, Typen, die sich gegenseitig Schmerzen zufügten und mehr Klingelton-Werbung als Musikvideos.
Geschäftsführerin Catherine Mühlemann entgegnete den Kritikern damals, dass diese eben keine Ahnung von der Zielgruppe hatten, anscheinend traf das jedoch auch auf Mühlemann selbst zu, denn 2011 soll der ehemals kultige Popsender das Privatfernsehen verlassen und ins Pay-TV überwandern, übermäßig hohe Quoten haben das wohl nicht zu verantworten.
Traurig sollte man mit dem aktuellen Programm eigentlich nicht sein, denn bis auf „Game One“ sind die anderen selbst produzierten Sendungen „MTV:Home“ und „brand:neu“ kaum mehr als alberne Geräuschkulissen.
Traurig kann man höchstens über den tiefen Fall sein, den MTV nicht nur in Deutschland, sondern international selbstständig eingeleitet hat.
Was früher einmal spontan, verrückt und auch mal anspruchsvolles Popfernsehen war, ist jetzt mindestens genauso vorhersehbar und altmodisch wie die Programme, die es ehemals ersetzen wollte.

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