Zur Hauptkritik an Oliver Hirschbiegels Kriegsdramas „Der Untergang“ gehörte die Darstellung Hitlers durch Bruno Ganz. Zu sehr nähere sich der Film dem Diktator als Mensch an – und dies gilt weitestgehend immer noch als Tabu. Dabei sehen manche Historiker gerade hier die Möglichkeit, wichtigen Aufschluss über Ideologie und Gräueltaten des Dritten Reichs zu bekommen. Eine neue, rund 4-stündige Dokumentation von Michael Kloft geht genau diesen Weg. Vox zeigt die spannende Produktion am 27. März ab 20.15 Uhr.

Von einer Art „Hitler-Besessenheit“ der Deutschen sprach Filmkritiker Georg Seeßlen vor einer Weile, als er sich mit Quentin Tarantinos Nazi-Klamauk „Inglourious Basterds“ auseinander setzte. Mit eben dieser mache der Film des Kultregisseurs endlich Schluss, indem er den Diktator einfach von einem Maschinengewehr durchlöchern lasse und keinen letzten Blick auf die Leiche erlaube. Dass eine wissenschaftliche Annäherung da wahrscheinlich doch eher in der Lage ist, Seriöses zu leisten, belegt jetzt eine umfangreiche Dokumentation unter dem Titel „Hitler privat“.

SPIEGEL-Autor Michael Kloft sprach für sein Mammut-Projekt mit einigen der renommiertesten Hitler-Kenner und versuchte dabei, sich dem Phänomen des Nationalsozialismus über die psychologische und lebensweltliche Komponente des Diktators anzunähern. Lange Zeit galt genau diese Vorgehensweise als verpönt. Völkermord und Faschismus hätten mit der persönlichen Geschichte ihres Initiators wenig bis nichts zu tun – so eine Richtung der Forschung. Kloft und seine Gesprächspartner sehen das jedoch gänzlich anders.

Zu den Kennern des Themas, die wesentlich zur 225-minütigen Dokumentation beigetragen haben, gehört der britische Historiker Ian Kershaw, dessen mehrbändige Hitler-Biografie zu den Standardwerken gehört. Über die Jugendjahre des Diktators in Wien weiß die Autorin Brigitte Hamann fundiert zu berichten. Professor Hans-Joachim Neumann ist Kenner der Krankheitsgeschichte Hitlers und widerspricht der allgemeinen Auffassung von einer Geisteskrankheit, und Heike Görtemaker analysiert das Zusammenleben mit Eva Braun. Als Hauptexperte für Nationalsozialismus und Drittes Reich kommt Richard Evans aus Cambridge zu Wort.

Gezeigt werden zudem seltene oder bisher gänzlich unveröffentlichte Dokumente, Fotos und Filmaufnahmen. Sendetermin auf Vox ist der 27. März ab 20.15 Uhr.

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