Der Flimmerkasten

Von Klassikern bis zum aktuellen TV-Programm
 


Am Sonntag, den 24. August zeigt Das Vierte um 20:15 Uhr Schnee der auf Zedern fällt. Wer diesen Film nicht kennt, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen.

Schnee der auf Zedern fällt, bzw. Snow Falling on Cedars, ist die filmische Umsetzung von David Gutersons Roman mit dem gleichen Titel. 1954 kehrt in einer Kleinstadt an der nördlichen Westküste der USA ein Fischer mit dem klingenden Namen Carl Heine nicht von der Arbeit zurück. Was eigentlich unter Berufsrisiko abzuhaken ist, entwickelt sich bald zu einer Ermittlung in Sachen Mord. Hauptverdächtiger ist sein Kollege Kabuo Miyamoto. Das liegt weniger daran, dass der am Abend zuvor mit dem Toten gesehen wurde, denn daran, dass er japanischer Abstammung ist. Denn eines wissen die Amerikaner in den 50gern ganz genau: Japaner sind hinterhältige Meuchelmörder. Allesamt - auch wenn sie von der US Army ne Ehrenmedaille an die Brust gesteckt bekommen haben. weiterlesen »


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Ally McBeal (1997-2002)

Autor: Moritz
abgelegt in: Serien

“Maybe I’m happy and I just don’t know it.”

Es gab mal eine Zeit, so um die Jahrtausendwende (ein tolles Wort), da war die amerikanische Anwaltsserie “Ally McBeal” sehr angesagt. Danach kam “Sex and the City”, später “Desparate Housewives”, und verglichen mit ihren Nachfolgern wirkt Ally fast ein wenig unschuldig.

Ally McBeal kündigt ihren Job in einer Anwaltskanzlei, als ihr Chef sie sexuell belästigt, findet aber kurz darauf eine neuer Stelle in einer Kanzlei, die ihr ehemaliger Schulkamerad Richard Fish sich mit dem merkwürdigen John Cage teilt - in Boston. Kein Problem, Ally zieht um - und die Serie nimmt ihren Lauf.

“Ally McBeal” ist tragikomisch - im Gegensatz etwa zu “Sex and the City”, wo, allen Problemen zum Trotz, meist die Komik überwiegt. Aber Ally, die neurotische Anwältin, die sich mit männerverschlingenden Sekretärinnen, verheirateten Ex-Freunden als Kollegen und flüchtenden Verlobten herumschlagen muss (von ihrem Job ganz zu schweigen), ist immer einsam. Oder, fast immer.

Zentrum der Serie ist die Unisex-Toilette der Anwaltskanzlei, in der man sich furiose Wortgefechte liefert und imaginäre Schlachten: “Ally McBeal” enthält gelegentlich witzig-phantastische Einlagen, in denen Allys Gedanken visualisiert werden. Beispielsweise beißt sie ihrem Gegenüber mal eben den Kopf ab.

Allabendlich versammeln sich die Verdammten der Kanzlei in einer Cocktailbar, wo Vonda Shepperd singt. Für letztere, und natürlich für Calista Flockheart, war die Serie ein Karrieresprungbrett. Mit der fünften Staffel, deren Handlung drastisch verändert werden musste, als Robert Downey Jr. wegen Drogenbesitzes ins Gefängnis musste, verliert “Alley McBeal” allerdings deutlich an Tempo und Witz. Jon Bon Jovis Nebenrolle hätte man sich ebenfalls sparen können.

“Ally McBeal” ist ein funkelnder Cocktail; mal witzig, mal tottraurig, aber - meistens - sehr unterhaltsam. Im deutschen Fernsehen brauchte sie zwei Anläufe, ehe sie im Abendprogramm von Vox einen treuen Zuschauerstamm fand, der ihren schrägen Geschichten folgte.


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Leidenschaftliche DVDs

Autor: Moritz
abgelegt in: DVD

Oder: Wie man eine DVD nicht gestaltet.

Es war einmal ein sehr guter, epischer Familienroman von Jim Thompson mit dem Titel “Legends of the Fall”, zu deutsch: “Herbstlegenden”. Edward Zwick, der uns später mit “Blood Diamond” (2006) beglücken sollte, machte 1994 daraus einen hervorragend besetzten Film mit Brad Pitt, Anthony Hopkins, Aidan Quinn und Julia Ormond.

Dem deutschen Verleiher gefiel der Titel offenbar nicht. Inzwischen nimmt man zwar Filme mit Titeln wie “Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford” (2007) mit Handkuss, solange nur Brad Pitt mitspielt - aber damals war das noch nicht der Fall. Damals war Brad Pitt ein Schönling, und in erster Linie wurde er deshalb gecastet. Es hat ihn viel Mühe gekostet - “California”, “Seven”, “Fight Club” -, dieses Image zu korrigieren.

Zurück zur Geschichte: “Herbstlegenden”, das guckt sich in Deutschland 1994 doch kein Mensch an. 1994, da kämpfte Rudolf Scharping seinen verzweifelten Kampf gegen den Kanzler der Einheit; 1994, da waren Nirvana groß - wer wollte da “Herbstlegenden”? Kurzerhand macht der deutsche Verleiher daraus “Legenden der Leidenschaft“.

Naja. Man konnte es, auch als Mann, verkraften; es war zwar peinlich, aber der Film (hat übrigens einen Oscar bekommen) war das spöttische Grinsen des pickligen Jungen an der Kinokasse wert.

Soweit, so peinlich, aber letzten Endes verkraftbar. Dann kam die DVD; und diesmal haben sie es wirklich übertrieben: Nicht nur, dass das Cover Pitts verträumt-stahlblaue Augen dermaßen retuschiert zeigt, dass man sich in einem Trickfilm wähnt - der Covertext verspricht auch noch vollmundig: “Der packende Welterfolg mit dem Liebling aller Frauen: Brad Pitt. Bewegend, mitreißend, hocherotisch!

Ich hab das Cover überklebt, mit Pflaster. Ich bin sicher, sowohl Jim Thompson als auch Herr Pitt würden es gutheißen. ;-)


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