Die Technik, sich Personen des Zeitgeschehens durch eine Collage aus Spielfilm und Dokumentation zu nähern, hat im Deutschen Fernsehen seit den großen TV-Biografien von Heinrich Breloer Tradition. Jetzt nähert sich das ZDF in einer neuen Produktion mit Rudi Dutschke einer zentralen Figur der 68er-Bewegung an.

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Zuletzt versuchte man im Zweiten Deutschen Fernsehen, mithilfe von Spielszenen und Interviews (deren Einbau der Porträtierte jedoch nicht erlaubte) Ex-Kanzler Helmut Kohl gerecht zu werden und ließ dabei so ziemlich alle Kontroversen außen vor. Ob es im Fall der stets widersprüchlichen Gestalt von Rudi Dutschke ähnlich brav zugeht, wird sich zur Ausstrahlung der schlicht „Dutschke“ betitelten Spielfilm-Doku am 27. April zeigen.

Auf der Grundlage der Biografie von Dutschkes Ehefrau „Wir hatten ein barbarisches, schönes Leben“ machten sich die Filmemacher Daniel Nocke und Stefan Krohmer daran, ein Porträt des legendären Protestlers auf den Weg zu bringen, das neben nachgespielten zentralen Ereignissen im Leben des Protagonisten (dargestellt von Christoph Bach) eine Riege interessanter Gesprächspartner und Zeitzeugen zusammenstellte.

Dutschke war zuletzt von Sebastian Blomberg im „Baader Meinhof Komplex“ dargestellt worden, kam dort aber lediglich am Rande vor. Vor allem die Widersprüchlichkeiten, die den Studentenführer jederzeit zur fruchtbaren Zielscheibe für polemische Angriffe durch seine Gegner machte, sollen nun in der ZDF-Produktion unaufgelöst bleiben.

Die Macher betonen ihre Auffassung, „dass man Dutschke und seiner Zeit am besten gerecht wird, wenn man Widersprüche herausstellt, statt sie zu verstecken.“ Spielszenen und Interviews sollen sich entgegen gängiger Praxis deshalb keinesfalls gegenseitig bestätigen.

Das ZDF zeigt „Dutschke“ am 27. April um 20.15 Uhr.

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