Als die fünfte und letzte Staffel bereits lief, wurde die Presse urplötzlich auf „The Wire“ aufmerksam und überschlug sich mit Lobeshymnen. Das „Time“-Magazine gab sogar zu, bei der bisherigen Berichterstattung schlichtweg versagt zu haben. Was die mittlerweile eingestellte Serie jedoch ausmacht, konnten deutsche Zuschauer bisher nur auf dem Bezahlsender FOX sehen. Jetzt ist die erste Staffel auf DVD erschienen.

Ob es jemals eine Auswertung im deutschen Free-TV geben wird, steht in den Sternen. Vermutlich wird man erst einmal die Verkaufszahlen der DVD-Box abwarten. „The Wire“ ist für Programmplaner eben ein zweischneidiges Schwert. In den USA hat die ebenso komplexe wie trostlose Krimisere nie brauchbare Quoten einfahren können, und selbst mit bedeutenden Fernsehpreisen wurde sie nicht gerade überhäuft. Die Kritiken allerdings überschlugen sich.Von der besten Serie in Jahrzehnten oder gar einer grundlegenden Revolution konnte man lesen, doch die Zuschauer interessierte das wenig. Kein Wunder, denn sperriger ist im amerikanischen Fernsehen nie zuvor erzählt worden. Mit den polierten Bildern und der effektreichen Dramaturgie von „CSI“ oder anderen erfolgreichen Krimiserien hat „The Wire“ jedenfalls nichts zu tun.Über 5 Staffeln hinweg zeigt die Produktion Verbrechen, Korruption und sozialen Untergang in Baltimore. 60 einstündige Folgen konzentrieren sich dabei auf rund 30 Hauptfiguren, erzählen ohne traditionellen Spannungsbogen und verzichten gänzlich auf Cliffhanger, markige Dialoge und bekannte Darsteller.

„The Wire“ ist trostlos, zeigt Korruption im Polizeiapparat, an Schulen, in der Presse, in der Politik. Serienerfinder David Simon hat jahrelang als Polizeireporter gearbeitet und weiß, wovon er spricht. Seine Geschichten legen Wert auf Realismus, wollen nichts beschönigen, und doch ist das, was seine Serie zeigt, nach eigenen Aussagen immer noch weniger erschreckend als die Wirklichkeit.

Der US-Sender HBO, der für Serien wie „True Blood“, „Deadwood“, „The Pacific“, vor allem aber „Sex and the City“ bekannt ist, wollte mit „The Wire“ nichts weniger als das Krimigenre auf den Kopf stellen. Wann und ob Nihilismus und Erzählform der Produktion allerdings auch auf andere Serien übergreifen, lässt sich kaum absehen. Die synchronisierte DVD-Box mit allen 13 Folgen der ersten Staffel ist seit dem 12. November erhältlich.

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