Am Tag der Deutschen Einheit reist Pro7 in der Zeit deutlich weiter zurück als bis zur Wiedervereinigung. Mit dem 160-minütigen Mittelalter-Thriller „Isenhart“ will man offenbar der Konkurrenz in Sachen großangelegte Historien-Epen die Stirn bieten. Wer sich Sebastian Ströbele im Mittelalter vorstellen kann, wird vermutlich gut bedient.
Historische Stoffe boomen derzeit, und das vor allem im TV. Während die etwas nähere Vergangenheit mit „Mad Men“ in den USA der 50er Jahre für gute Quoten sorgt und bereits Nachzügler wie „Pan Am“ und „The Playboy Club“ auf den Plan gerufen hat, ist Europa vor allem in der Renaissance interessant. „The Tudors“ und gleich zwei Serien über den Clan der „Borgia“ locken mit Drastik und Intrigen.
Insgesamt vier Staffeln plant Serienschöpfer Neil Jordan, und die zweite ist derzeit gerade in Arbeit. Auf dem amerikanischen Sender Showtime erzielte „The Borgias“ von Anfang an Bestquoten und hielt sich über die bisherigen insgesamt 10 Folgen beständig gut. Ab Herbst gibt es das vielversprechende Historiendrama hierzulande auf Pro7 zu sehen.
Konkurrenz belebt das Geschäft, doch gleich zwei aufwendige Mehrteiler über ein und dasselbe Thema ist dann doch ein bisschen zuviel des Guten. Der skandalträchtige Clan der Borgia, deren Oberhaupt 1492 als Papst Alexander VI Geschichte schrieb, rief praktisch zeitgleich zwei großangelegte TV-Produktionen auf den Plan.
Bei einem einzigen Format, das er entwickelt hat, bleibt Stefan Raab fast gänzlich im Hintergrund. In „Schlag den Star“ kämpfen einmal andere Promis gegen Zuschauerkandidaten und sehen dabei meistens ziemlich alt aus. Diesmal unter anderem dabei: TV-Koch Tim Mälzer.
Mit dem Ende der Sommerpause ist auch die Raab-freie Zeit vorbei. Die nächsten Events, allen voran der Bundesvision Song Contest 2011, stehen schon in den Startlöchern. Quasi zum Warmwerden, und bevor der Chef selber wieder in den Ring steigt, gibt es als erstes den kleinen Bruder von „Schlag den Raab“ zu sehen.
Comedy-Serien, die ganze acht Staffeln lang durchhalten, sind eher die Ausnahme. Trotzdem hätte kaum jemand damit gerechnet, dass es mit den „Desperate Housewives“ nicht mehr weiter gehen wird. ABC verkündete jetzt offiziell, dass die Serie eingestellt wird. Auf Pro7 hingegen geht es erst mal ab dem 24. August mit der siebten Staffel weiter.
Die Gerüchte waren schon ein paar Tage im Umlauf, doch erst anlässlich der Sommerpresse-Tour der Television Critics Association am 7. August bestätigte ABC-Chef Paul Lee, dass die erfolgreiche Serie um Liebe und Intrigen in der Wisteria Lane nach der achten Staffel eingestellt wird. Über die Gründe schwieg man sich aus.
Es ist bei Pro7 zur echten Unart geworden, teuer eingekaufte US-Serien einfach mitten im Verlauf einer Staffel abzubrechen und erst Monate später fortzusetzen. Was einer ununterbrochenen Ausstrahlung in den Weg kommt, ist die leidige Sommerpause, in der man keine wertvollen Quoten verschenken will. Für „Fringe“ geht die 3. Staffel jetzt am 15. August endlich weiter.
Gar nicht so einfach, nach der Sommerpause wieder bei einer komplexen Serie wie „Fringe“ einzusteigen. Deshalb werden zuvor einfach noch einmal alle bisherigen Folgen wiederholt. Das ist dann allerdings auch wieder zuviel des Guten, als Programmfüller aber ausgesprochen kostengünstig.
Es ist schon eine ganze Weile her, dass Pro7 erstmals eine Handvoll B-Promis in die Südtiroler Berge schickte. Der Zuschauer konnte den „Sepp des Tages“ wählen oder einfach nur wegschalten. Dass man das fast vergessene Trash-Format jetzt wieder ausgräbt, hat einen Grund, und der heißt Sommerpause.
Offenbar ist man bei Pro7 mittlerweile so abhängig von Stefan Raab und seinen Shows, dass während der Urlaubszeit von König Lustig vor lauter Verzweiflung auf ausgediente Altformate zurückgegriffen werden muss. Dass der Erfolg dabei eher ausbleibt, belegte jüngst die Neuauflage der „Sommermädchen“, die wegen katastrophaler Quoten gekürzt und in den Nachmittag verschoben wurden.
Stefan Raab hat genug vom ESC – jedenfalls vor der Kamera. Wenn im nächsten Jahr das Casting für den kommenden Song-Contest nach gut bewährtem Muster neu beginnt, wird er nicht mehr Jury-Präsident sein. In seine Fußstapfen tritt kein Geringerer als Fanta4-Vegetarier Thomas D.
Dreimal war er als Komponist dabei, einmal ist er sogar selber aufgetreten, mit Lena hat er als Entdecker und Produzent den ESC nach Deutschland gebracht und dort als Moderator eine spektakuläre Show abgeliefert. Damit ist für Stefan Raab alles erreicht, was er beim größten Gesangswettbewerb der Welt erreichen konnte. Jetzt soll ein anderer an seine Stelle treten.
Während der Urlaubsmonate lässt sich der Eindruck gewinnen, die Wiedereinführung des Testbilds könnte die meisten Programmpunkte problemlos an Niveau und Unterhaltungswert übertreffen. Was die Bestückung der Sendezeit betrifft, ist man bei Pro7 offenbar so ratlos gewesen, dass man selbst die völlig erfolglose Gaga-Fleischbeschau „Sommermädchen“ wieder ausgegraben hat.
Im Bikini Schlauchboote aufblasen und gut eingeölt eine Wasserrutsche runterschliddern reichte früher allenfalls für einen launigen Taff-Beitrag mit dem späteren DSDS-Jurymitglied Fernanda Brandao und anderen C-Sternchen. Das änderte sich 2009, als man bei Pro7 auf die durchaus grenzdebile Idee kam, aus dem selbst für einen Kurzbeitrag kaum tragfähigen Nonsens eine ganze Abendshow zu basteln. Ergebnis waren lausige 4,4 Prozent Marktanteil bei der Premiere von „Sommermädchen“.
Wenn Lena am 14. Mai ihren Sieg beim letztjährigen Eurovision Song Contest in Düsseldorf verteidigt, ist das nur der Höhepunkt eines Sendemarathons, mit dem man sich das Thema gehörig abgewöhnen kann. Die ARD, aber vor allem Pro7 widmen dem Event bereits im Vorhinein ein Unmaß an Programmplatz.
Lenas Tour mag bei weitem nicht ausverkauft sein, als Hype-Faktor für den ESC taugt ihre Live-Show aber allemal. Auch die eher unbefriedigenden Quoten von „Unser Song für Deutschland“, in dem der diesjährige Beitrag per Zuschauervoting gewählt wurde, hatte keine langfristigen Folgen. Um aber auch den letzten Zweifler noch umzustimmen, wird Pro7 im Mai vorübergehend quasi zum Eurovision-Sender.
Da kommt der neue Geschäftsführer von Pro7 gleich mal mit einem Paukenschlag daher. Jürgen Hörner, der seit 1. April im Amt ist, berichtet der FAZ, dass man ab Herbst mit einem neuen Castingshow-Format doch tatsächlich DSDS angreifen wolle. Produzent ist John De Mol.
Ob das deutsche TV-Publikum wirklich noch eine weitere großangelegte Castingshow für Gesangstalente braucht, ist fraglich. RTL führt den Markt mit DSDS und in gewissem Sinne auch mit dem „Supertalent“ an, Vox hat „X-Factor“ und Pro7 produziert mir „Popstars“ eine Flop-Band nach der anderen. Demnächst kommt dort nun auch „The Voice of Germany“ hinzu.