Dem Zweiten Deutschen Fernsehen ist einfach kein Zugang zu einem jüngeren Publikum möglich. Was Eigenproduktionen angeht, blicken die Mainzer mit berechenbarer Sicherheit ganz einfach ausschließlich auf den gesetzten Zuschauer. Und so liegt auch die Zielgruppe dieses teuer produzierten Zweiteilers über die österreichische Kaiserin wohl kaum unter 40.

Die „Sissi“-Trilogie gehört von jeher (man möchte sagen: seit Menschengedenken) zum Standardrepertoire des Weihnachtsprogramms. Die einzige Abwechslung ergibt sich durch den ausstrahlenden Sender. Derzeit hält SAT1 die Rechte für Deutschland und konnte 2008 eine echte Traumquote erzielen. Und daran wird sich vermutlich auch dieses Jahr nichts ändern.

Das ZDF setzt dagegen und zeigt eine Eigenproduktion, bei der man aber trotz aller Beteuerungen, hier einen historischen Zugang zur berühmten Kaiserin Elisabeth finden zu wollen, zumindest in der Titelwahl auf Nummer Sicher geht: „Sisi“ heißt der Zweiteiler, und man beruft sich dabei auf die Tatsache, dass die Lieblingsadlige der Deutschen in späteren Lebensjahren tatächlich auch so, mit einem „S“ nämlich, unterschrieben habe.

Von den Wertvorstellungen der 50er Jahre habe man diese Version befreit und wolle eine Zeit des Umbruchs darstellen. Was daraus geworden ist, davon kann man sich, wenn man will, am 17. und 20. Dezember überzeugen. Die Frage ist nur: Wer will das? Blickt man auf dieselbe Zielgruppe, die auch jedes Jahr jene Filmtrilogie mit Begeisterung verfolgen, von der sich Romy Schneider, die damalige Hauptdarstellerin, ihr Leben lang nicht befreien konnte?

Ob der in Zusammenarbeit mit Sunset Austria, EOS Entertainment, Publispei, ORF und RAI für 11 Millionen Euro produzierte Eventmehrteiler mit seinem altbackenen Thema auch ein jüngeres Publikum ansprechen wird, kann man getrost bezweifeln. Jedenfalls ist nicht anzunehmen, dass man sich von der Machart zeitgemäßer Aufarbeitungen historischer Königshausstoffe wie „Die Tudors“ Wesentliches abgeschaut hat.

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