Laute Musik wiederzugeben, ist für Kopfhörer meist gar kein Problem. Doch wenn es um die leisen Töne geht, muss ein Kopfhörer zeigen, wie gut er wirklich ist: Denn verschiedene Umgebungsgeräusche wie ein lautes Grundrauschen im Flugzeug können den Musikgenuss empfindlich stören. Die Lösung: Kopfhörer mit Noise-Cancelling-Technik.

Kleine Spezialisten

Wie bei jedem anderen Lautsprecher werden auch bei einem Kopfhörer elektrische Signale über einen Schallwandler in akustische Signale umgewandelt. Dabei bewegt ein Elektromagnet eine Membran und wir nehmen deren Schwingungen akustisch wahr. Soweit die Theorie. Das Problem bei Kopfhörern sind jedoch die Einflüsse jenseits der Ohrmuscheln: Laute Geräusche, sonores Rauschen oder nervige Unterhaltungen dringen meist wenig oder fast ungehindert mit ins Ohr, was natürlich den Musikgenuss deutlich mildert. Gerade Vielflieger können hiervon ein Liedchen singen: Das Grundrauschen eines Flugzeugs ist meist nur mit maximaler Kopfhörer-Lautstärke zu übertönen – und das nervt den Sitznachbarn zusätzlich. Findige Tüftler haben bereits vor vielen Jahrzehnten für die Berufsfliegerei und das Militär sogenannte Noise-Reduction- oder Noise-Cancelling-Systeme entwickelt. Diese Systeme sind in der Lage, die Frequenzen der Lärmquelle zu analysieren und entsprechenden Gegenschall zu produzieren – eine effektive, wenn auch teure sowie große und schwere Technik. Zumindest vor 20 Jahren…

HiFi-Genuss ohne störende Einflüsse

Mit elektronischen Maßnahmen wie Gegenschall störende Lärmquellen zu beseitigen, ist wie mit Kanonen auf Spatzen schießen. Und es ist vor allem kostspielig. Die Kopfhörer-Industrie kennt noch zwei weitere Möglichkeiten, störende Lärmquellen nicht an das Ohr zu lassen. Zum einen gibt es da die so genannten geschlossenen Systeme: Hierbei wird der störende Schall durch einen dichten Ring um die Ohrmuscheln abgeschirmt. Diese aktuellen Modelle ähneln in vieler Hinsicht den Anfängen in den 1970er Jahren, wo gigantisch wirkende Kopfhörer in viele Wohnzimmer Einzug hielten. Allerdings haben diese Systeme gegenüber der Vergangenheit einen großen Vorteil: Sie sind zwar ebenfalls groß, aber längst nicht mehr so schwer wie früher, was den Tragekomfort erheblich erhöht. Wem diese Variante zu klobig und nicht mobil genug ist, wird in der Sparte der In-Ear-Kopfhörer fündig: Die kleinen Knöpfe werden mit auswechselbaren Kunststoff-Passformen ausgeliefert und finden direkt im Gehörgang Platz. Im Idealfall schließen sie den Gehörgang komplett ab und lassen nur den Sound der Lautsprecher ans Trommelfell. Exakt in der Mitte liegen aktive Noise-Cancelling-Kopfhörer: Sie sind größer als In-Ear-Modelle aber erheblich kleiner als geschlossene Systeme. Für zusätzliche Ruhe sorgt eine aufwendige Technik: Ein in die Kopfhörer eingebaute Elektronik misst per Mikrofon den nervenden Umgebungsschall und startet passende Gegenmaßnahmen. Dazu mischt das System zum Musiksignal entsprechende Klangwellen, die die Störenfriede nahezu ausmerzen. Das Ergebnis ist eine wohltuend gedämpfte Umgebung, die selbst bei leisem Musikhören kaum noch ins Ohr dringt. Aktive Noise-Cancelling-Kopfhörer gibt es sowohl als geschlossene Systeme als auch in der Variante als In-Ear-Phones, wobei die Klangtechnik außerhalb des Ohrhörers, in einer kleinen Box am Kabel, untergebracht ist.

Noise-Cancelling macht Schluss mit Umgebungslärm

Nicht nur Vielflieger kommen mit aktiven Noise-Cancelling-Kopfhörern voll auf ihre Kosten: Die Modelle sind kompakt, sehr häufig mit langlaufenden Akkus ausgestattet und tragen sich durchweg ausgezeichnet aufgrund des geringen Gewichts. Sonore Störenfriede wie Brummen, Rauschen oder Dröhnen werden damit konsequent unterdrückt und nahezu ausgemerzt. Diese Kopfhörer bieten beste Voraussetzungen für ungestörten Musikgenuss. Allerdings hat diese Form von High-Tech auch ihren Preis: Während es die passiven geschlossenen Systeme bereits ab 40 Euro und passive In-Ear-Kopfhörer ab 20 Euro gibt, kosten aktive Systeme (geschlossen oder In-Ear) ab 150 Euro, Top-Modelle sogar über 300 Euro.

Fotoquelle: Alexander Yurkinskiy

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