Oder: Wie man eine DVD nicht gestaltet.

Es war einmal ein sehr guter, epischer Familienroman von Jim Thompson mit dem Titel „Legends of the Fall“, zu deutsch: „Herbstlegenden“. Edward Zwick, der uns später mit „Blood Diamond“ (2006) beglücken sollte, machte 1994 daraus einen hervorragend besetzten Film mit Brad Pitt, Anthony Hopkins, Aidan Quinn und Julia Ormond.

Dem deutschen Verleiher gefiel der Titel offenbar nicht. Inzwischen nimmt man zwar Filme mit Titeln wie „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“ (2007) mit Handkuss, solange nur Brad Pitt mitspielt – aber damals war das noch nicht der Fall. Damals war Brad Pitt ein Schönling, und in erster Linie wurde er deshalb gecastet. Es hat ihn viel Mühe gekostet – „California“, „Seven“, „Fight Club“ -, dieses Image zu korrigieren.

Zurück zur Geschichte: „Herbstlegenden“, das guckt sich in Deutschland 1994 doch kein Mensch an. 1994, da kämpfte Rudolf Scharping seinen verzweifelten Kampf gegen den Kanzler der Einheit; 1994, da waren Nirvana groß – wer wollte da „Herbstlegenden“? Kurzerhand macht der deutsche Verleiher daraus „Legenden der Leidenschaft“.

Naja. Man konnte es, auch als Mann, verkraften; es war zwar peinlich, aber der Film (hat übrigens einen Oscar bekommen) war das spöttische Grinsen des pickligen Jungen an der Kinokasse wert.

Soweit, so peinlich, aber letzten Endes verkraftbar. Dann kam die DVD; und diesmal haben sie es wirklich übertrieben: Nicht nur, dass das Cover Pitts verträumt-stahlblaue Augen dermaßen retuschiert zeigt, dass man sich in einem Trickfilm wähnt – der Covertext verspricht auch noch vollmundig: „Der packende Welterfolg mit dem Liebling aller Frauen: Brad Pitt. Bewegend, mitreißend, hocherotisch!

Ich hab das Cover überklebt, mit Pflaster. Ich bin sicher, sowohl Jim Thompson als auch Herr Pitt würden es gutheißen. 😉

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