Auch wenn sich beim Titel dieser TV-Produktion eine naheliegende Zote geradezu aufdrängt, ist der Humor des Pro7-Krimis alles andere als infantil. Wenn der Versuchsballon ankommt, könnte aus dem zunächst einmaligen Vergnügen um den zynischen Ermittler Kreutzer eine neue Reihe werden. Auftakt ist der 1. November.

[youtube fSgWZ-iR1IE]

Einmal auf eine Rolle festgelegt, beginnt für viele Schauspieler der Kampf um Anerkennung. Für Christoph Maria Herbst ist der (un)beliebte Chef „Stromberg“ in dieser Hinsicht Fluch und Segen zugleich. Seine Darstellung hat sich in vielen Köpfen so nachhaltig festgesetzt, dass Herbst in anderen, zurückhaltenderen Rollen schlichtweg blass wirkt. Und so gilt ein altes dramaturgisches Gesetzt auch hier, demgemäss eine dominante Figur nur mit einer noch dominanteren bekämpft werden kann. In diesem Fall soll sie Kreutzer heißen.

Und schon auf den ersten Blick ist der eigenwillige Kommissar und Namensgeber von „Kreutzer kommt“ in vielerlei Hinsicht der begabte Bruder von Stromberg, frei von dessen Erbärmlichkeiten, raffiniert, aber doch genauso wenig Menschenfreund. Für Herbst die ideale Möglichkeit, eine Figur mit Macken aufzufüllen und trotzdem mit dem Image des Unsympathen weiterzuarbeiten.

Den größten Spleen gibt ihm das Drehbuch gleich mit auf den Weg: Kreutzer nämlich setzt sich für jeden Fall ein Zeitlimit von exakt 4 Stunden, 37 Minuten und 48 Sekunden. Was da nach zwangsneurotischer Willkür klingt, ist tatsächlich (so will es einem die Geschichte verkaufen) die Umrechnung des Goldenen Winkels, den man erhält, „wenn man einen Kreis mittels Winkel im Verhältnis des Goldenen Schnittes teilt“. So jedenfalls erklärt es Kreutzers Assistentin.

Das klingt bescheuert und ist es auch, aber der Figur verschafft dies neben anderen Marotten die notwenige Sonderstellung, die von dem eher durchschnittlichen Kriminalfall ablenkt. Wie im klassischen Film Noir kommentiert Kreutzer aus dem Off, trickst wie Columbo, gibt sich arrogant wie Hercule Poirot und setzt zynische Spitzen wie Dr. House. Ob das beim Publikum ankommt, werden die Quoten zeigen.

Ähnliche Beiträge