Ein bisher wenig bekanntes Stück deutscher Nachkriegshistorie findet in einem Dokudrama von Arte und dem NDR jetzt eine angemessene Aufarbeitung. Berichtet wird über die Geschichte von 20 jüdischen Kindern, die das KZ Bergen-Belsen als Waise überlebt hatten und 1945 als sogenannte „Displaced Persons“ in der Hamburger Villa Warburg untergebracht wurden.

Mit dem Terminus Re-Enactment bezeichnet man im Allgemeinen das Nachspielen historischer Ereignisse. Wissenschaftsformate wie „Galileo“ oder „Terra X“ machen sich diese Technik des filmischen Erzählens gerne zunutze. Ganze Dokudramen, wie sie in Deutschland vor allem Heinrich Breloer bekannt machte, stützen sich fast gänzlich hierauf und ergänzen die Spielszenen durch Kommentare von Zeitgenossen. Die Arte/NDR-Produktion „Die Kinder von Blankenese“ gehört zu diesem Genre.

Filmemacher Raymond Ley ist auf diesem Gebiet mittlerweile ein preisgekrönter Experte. Zuletzt zeigte das Erste seine Produktion „Eichmanns Ende“ mit Herbert Knaup in der Titelrolle. Erneut greift er nun ein Kapitel aus der deutschen Nachkriegszeit auf und bebildert es im halbdokumentarischen Stil.

Die Geschichte setzt kurz nach der Kapitulation des NS-Regimes ein. Als US-Soldat kommt Colonel Eric Warburg, Sohn eines jüdischen Bankiers (bis heute existent: die Warburg-Bank), nach Hamburg Blankenese, um dort seine Ansprüche auf ein umfangreiches Grundstück geltend zu machen. Die darauf befindlichen Immobilien stellt er als Unterbringungsmöglichkeiten für jüdische Überlebende zur Verfügung. Die Villa Warburg wird dabei zum Kinderheim für jüdische Waisen.

Der Film dokumentiert das Leben von 20 jüdischen Waisenkindern aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen und beobachtet ihre Rückkehr ins Leben. Zunächst gibt es „Die Kinder von Blankenese“ am 17. November um 20.15 Uhr auf Arte zu sehen. Später ist dann auch eine Ausstrahlung in der ARD geplant. Seine Uraufführung hatte die Produktion auf dem diesjährigen Filmfest Hamburg.

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