Besser gut kopiert als schlecht erfunden. So haben es sich wohl die Macher des multimedialen Serienprojekts „Alpha 0.7 – Der Feind in Dir“ gedacht, das zum 25. Geburtstag des „Debüts im Dritten“ ab dem 14. November zunächst auf dem SWR, dann auf Arte, 3Sat, dem MDR und EinsFestival zu sehen sein wird.

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Zukunftsvisionen in deutschen TV-Produktionen sind in der Regel ziemlich krude Versuche, es amerikanischen Vorbildern gleichzutun. Wenig Lorbeeren etwa konnte zuletzt die Sat1-Produktion „Die Grenze“ davontragen. Und während sich im Kino der Spielfilm „Die kommenden Tage“ demnächst ein Bild von Deutschland im Jahr 2020 vor dem Hintergrund des 4. Golfkriegs macht, startet der SWR mit „Alpha 0.7“ eine sechsteilige Serie, die vor allem durch ihren Sendetermin nicht gerade quotenfreundliche vorgeht.

Die Grundidee ist mehr oder weniger von Steven Spielbergs „Minority Report“ übernommen: Die Paranoia des Überwachungsstaates hat auch vor Deutschland nicht Halt gemacht. Das neurowissenschaftliche Pre-Crime-Center, eine Sonderabteilung des Bundeskriminalamtes, will mithilfe von Gehirnscannern potentielle Straftäter bereits vor Begehung einer Tat ausfiltern und dingfest machen. Und das schon 2014.

Im Mittelpunkt der wenig originellen Geschichte stehen zwei Frauen, die sich gegen die staatliche Totalkontrolle zur Wehr setzen. Die eine, dargestellt von Victoria Mayer, ist Opfer eines neurowissenschaftlichen Experiments und hadert mit Erinnerungen, denen keine Realität entspricht . Unterstützung bekommt sie von einer Aktivistin des Netzwerks „apollon“, das sich gegen den wachsenden Überwachungsstaat stemmt. Gespielt wird sie von Anna-Maria Mühe.

Die sechs jeweils nur 25-minütigen Folgen sind jedoch nur Teil eines plattformübergreifenden Multimedia-Konzeptes. Zusätzlich gibt es nämlich ab dem 21. Dezember eine fiktive Hörspielserie, ab dem 12. November eine wissenschaftliche Hörfunkbegleitserie unter dem Titel „Chip steuert Hirn: Wie weit ist die Forschung?“, sowie eine Reihe von viralen Online-Plattformen, Fake-Homepages, Clips und Blogs, die sich schulbuchmäßig an US-Vorbildern orientieren.

Das ist alles sehr bemüht und soll der Intention nach ein jüngeres Publikum ansprechen. Wer das allerdings genau sein soll, der da dienstags um 22.40 Uhr für 25 Minuten den SWR oder ab 18. November in der Nacht von Freitag auf Samstag Arte einschalten soll, ist nicht wirklich offensichtlich.

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